Der Millionär und die Praktikantin

 

- 1 -

 

 

 

 

 

»DU erdrückst mich. Ich fühle mich wie eine Gefangene.« Claires Augen waren feucht. Für sie war dieses Gespräch offensichtlich sehr viel schwerer als für mich.

 

»Und?«, erwiderte ich und war selbst davon überrascht, wie ruhig meine Stimme war. »Was soll das heißen? Trennst du dich?«

 

»Ich liebe dich, John!«, brach es aus ihr heraus. Tränen rannen ihr über die Wangen. »Aber ich kann einfach nicht mehr.«

 

Claires Brust hob und senkte sich heftig. Ihre Stimme war heiser, ihre Hände zitterten. Doch ich saß ganz ruhig da und sah sie stur an. Es war nicht so, dass ich eine Erklärung von ihr erwartete. Für mich wäre es völlig okay gewesen, wenn sie einfach gegangen wäre. Aber offenbar fand sie, sie müsste sich rechtfertigen.

 

»Bestimmt wird es irgendwann besser«, wisperte sie und ließ den Kopf sinken. »Ich brauche Zeit. Für mich. Verstehst du?«

 

»Ich verstehe«, sagte ich sachlich und nickte knapp. »Du weißt, wo die Tür ist.«

 

Es dauerte einen Moment, bis Claire verstand. Ihre Augenlider weiteten sich. Sie war entsetzt.

 

Was hatte sie denn bitte erwartet? Dass ich betteln würde? Dass ich sie anflehen würde? Dass ich vor ihr auf Knien rutschen würde? Sie überschätzte sich. Oder sie überschätzte zumindest meine Gefühle für sie.

 

»Das war es also?«, keuchte sie. Mit ihren zierlichen Fingern strich sie sich ihr Haar zurück. Selbst auf diese Entfernung stieg mir der Duft ihres Shampoos in die Nase. Ihr Geruch hatte mich damals wirklich verrückt gemacht. Jetzt spürte ich einfach nichts mehr.

 

Ich zuckte die Achseln. »Das war deine Idee, nicht meine.«

 

Claires Gesichtsausdruck veränderte sich. Ihr Entsetzen verwandelte sich in Bitterkeit. »Alle haben immer gesagt, dass ich mich nicht auf dich einlassen soll. Sie haben gesagt, du wärst gar nicht dazu fähig, irgendjemanden zu lieben. Und sie hatten Recht.«

 

Falls sie mich damit verletzten wollte, war das ein ziemlich lausiger Versuch. Ich hatte schon sehr viel schlimmere Dinge über mich gehört. Aber doch fragte ich mich, wie es nur sein konnte, dass Claire mich so wenig kannte.

 

Tatsache war: Ich hatte sie nie belogen. Ich hatte nie behauptet, dass ich sie lieben würde. Denn das tat ich nicht.

 

In diesen vier Monaten hatten wir viele Tage und noch mehr Nächte miteinander verbracht. Aber das traf auch auf so viele andere Frauen vor ihr zu. Hatte Claire sich denn nie gefragt, was aus denen geworden war? Sie wusste wohl nicht, wie oft ich genau das hier schon erlebt hatte.

 

Es lief immer gleich ab: Anfangs waren die Frauen fasziniert von mir, dann verliebten sie sich. Mit der Zeit aber erkannten sie, dass meine harte, gefühlskalte Fassade einfach nicht bröckelte. Warum auch? Ich machte niemanden was vor. Ich war auch in meinem tiefsten Innern dieses arrogante, rücksichtslose Arschloch. Ich hatte kein Herz aus Gold.

 

 

 

What you see is what you get …

 

 

 

»Tja«, raunte ich düster, »dann hättest du wohl besser auf die anderen hören sollen.«

 

Claire schluckte schwer. »Das hätte ich.« Als sie von der Couch aufstand, musste sie sich an der Lehne festhalten. Ihre Knie waren weich, ihr Gang schwach. Offenbar war sie kurz davor zusammenzubrechen. Aber Claire besaß zu viel Stolz und Klasse, um das vor meinen Augen zu tun.

 

»Irgendwann wirst du feststellen, dass du niemanden mehr hast«, flüsterte Claire zum Abschied, doch schaffte es nicht mich anzusehen. »Und du wirst bereuen, dass keiner für dich da ist, wenn du jemanden brauchst. Niemand wird da sein, weil du jeden wie Dreck behandelt hast.«

 

Ich lauschte auf das Klackern ihrer Absätze, die immer leiser wurden. Dann hörte ich, wie sie die Tür öffnete und ganz vorsichtig schloss.

 

Sie war gegangen. Und ich war wieder allein.

 

An die Einsamkeit hatte ich mich schon lange gewöhnt. Und ich hatte mich mittlerweile auch daran gewöhnt, verlassen zu werden.

 

Mit einem gereizten Seufzen ließ ich mich zurücksinken und schaute aus dem Panoramafenster. Nassgraue Regenwolken zogen am Himmel hinweg. Die Skyline von Seattle war in einen düsteren Nebel gehüllt.

 

Ich war schon oft gefragt worden, warum ich hier blieb. In dieser kalten, verregneten, windigen Stadt. Ich hätte doch auch in einem Haus am Strand leben können, irgendwo in der Karibik. Aber die Wahrheit war: ich mochte den Regen und den Sturm und die frostigen Winter.

 

Es gab viele Menschen, denen ich ein Rätsel war. Viele konnten auch nicht verstehen, warum ich nicht längst verheiratet war. Mit einer schönen, klugen, eleganten Frau. Dafür gab es drei Gründe:

 

Der erste und wichtigste war, ich genoss meine Unabhängigkeit. Kompromisse waren nichts für mich. Wenn man lange genug allein ist, verlernt man, sich auf andere einzulassen.

 

Der zweite war, dass mir absolut klar war, dass diese besagte Frau mich wohl vor allem meines Geldes wegen mögen würde.

 

Und der dritte Grund war, dass mir nie eine Frau begegnet war, für die ich ernsthaft etwas empfunden hätte. Liebe war Einstellungssache. Genauso wie gebrochene Herzen und Sehnsucht.

 

Es gab nur eine Sache, die Männer und Frauen wirklich miteinander verbinden konnte. Nämlich Begierde.

 

Ich hatte viele Frauen begehrt. Aber das bedeutete ja noch lange nicht, dass man deswegen den Rest des Lebens miteinander verbringen musste.

 

ఈఖథ

 

- 2 -

 

 

 

 

 

MEINE Mutter war der Meinung, ich müsste ihr dankbar sein. Aber das war ich nicht. Sie hatte über meinen Kopf hinweg entschieden. Mir war klar, dass sie es gut meinte. Trotzdem tat es weh.

 

»Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit das war«, seufzte sie. »Es hat nur noch gefehlt, dass ich vor ihm auf die Knie gegangen bin. Das hätte er wahrscheinlich gerne gesehen. Wer weiß.« Kichernd stocherte sie in ihrem Salat herum.

 

»Wie lange geht dieses … Praktikum? Vier Wochen?«, fragte ich hoffend.

 

»Nein!« Meine Mutter machte große Augen. »Bis zum Ende der Semesterferien.« Als ihr auffiel, wie niedergeschlagen ich war, machte sie ein mitfühlendes Gesicht. »Ja, ich weiß, in deinem Alter sind drei Monate eine lang Zeit. Aber du wirst sehen, es geht schneller rum als du denkst. Und dann bist du wieder hier und alle werden dich beneiden. Normalerweise würdest du so ein Praktikum nie bekommen. Denk dran! Das ist eine unglaubliche Chance. In deinem Lebenslauf wird das toll aussehen! Die Firmen werden sich um dich reißen!«

 

Langsam nickte ich vor mich hin. Eigentlich war ich eine echte Frohnatur. Aber mir schien es, als hätte meine Mutter einen heimlichen Spaß daran, mir die Laune zu verderben.

 

»Und ich bin mir sicher, Finn wird auf dich warten«, fügte sie hinzu und zwinkerte.

 

Immerhin, dachte ich. Immerhin erwähnte sie meine Beziehung mit Finn überhaupt. Dabei war mir bewusst, dass das für sie nur eine Randnotiz war. Ich war 21, aber für meine Mutter war ich ein kleines Mädchen. Sie dachte wohl, das mit Finn und mir würde nicht lange halten. Sie selbst war auch nicht gerade eine Expertin für langfristige Beziehungen. Mit meinem Vater hatte sie es zumindest knapp vier Jahre ausgehalten. Das war die längste Beziehung, die sie je geführt hatte.

 

Ich vermutete, sie freute sich insgeheim, dass sie drei Monate freie Bude haben würde. Ihr derzeitiger Partner, Derek, war ziemlich oft hier. Die beiden bemühten sich, leise zu sein. Aber ich konnte trotzdem alles mithören. Er nannte sie Pony und sie ihn Bär. Immerhin das würde mir in diesen drei Monaten erspart bleiben. Allerdings – wer wusste schon, wie dieser Mann seine Nächte verbrachte …

 

»Ich habe das Flugticket schon besorgt«, sagte meine Mutter, als ich stumm blieb. »Für Samstag.«

 

»In zwei Tagen?!«, platzte es aus mir heraus.

 

Meine Mutter schien zu meinen, dass ich mich anstellte. »Lange genug, um deine Klamotten zu packen, oder?«

 

»Puh«, machte ich total überrumpelt.

 

»Du triffst dich doch sowieso gleich mit Olivia. Kauf dir noch ein paar schöne Sachen. Du weißt ja: In der Chefetage kannst du nicht mit deinen ausgetretenen Chucks und alten T-Shirts rumlaufen. Mein Bruder würde dir das nie erlauben.«

 

»Schon klar«, murmelte ich.

 

 

 

 

 

 

Pünktlich um kurz nach 14 Uhr klingelte Olivia an der Tür. Ich war schon startbereit und trat zu ihr nach draußen. Wir umarmten uns fest.

 

Olivia war meine beste Freundin. Und das bedeutete mir unglaublich viel. In meiner Kindheit und Jugend war ich so oft umgezogen, dass ich nie lange Freundschaften gehabt hatte. Aber Olivia und ich waren Seelenverwandte. Uns konnte nichts trennen.

 

»Du siehst ein bisschen gestresst aus«, fiel Olivia auf, als wir Richtung U-Bahn liefen.

 

Meine Mutter und ich wohnten in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in einem sehr lebendigen Viertel. Hier waren vor allem Studenten und junge Familien Zuhause waren. Ich fühlte mich unglaublich wohl. Es war bunt, laut, etwas chaotisch. Olivia wohnte nur zwei Blocks weiter. Und so hatten wir uns auch kennengelernt.

 

»Das bin ich«, erwiderte ich und kniff die Lider zusammen, als die Spätsommersonne hinter einem Puffwölkchen hervorkam. »Ich habe dir doch von diesem Praktikum erzählt.«

 

Olivias grüne Augen wurden größer. »Ich dachte, du hast schon eine Stelle.«

 

»Die war meiner Mutter nicht gut genug«, brummelte ich. »Sie hat entschieden, dass ich das Praktikum bei ihrem Bruder in Seattle machen soll.«

 

»Diesem superreichen Immobilienmogul?«, fragte Olivia.

 

»Ja.«

 

»Ist doch vielleicht ganz cool, oder?«

 

»Ich weiß nicht. Ich werde mit ihm … zusammenwohnen. Dabei kenne ich ihn überhaupt nicht.«

 

»Er ist dein Onkel.«

 

»Rein technisch ist er das nicht.«

 

Olivia hob die Brauen.

 

»Er wurde adoptiert«, erklärte ich und zuckte die Achseln. »Ich weiß wirklich so gut wie nichts über ihn.«

 

»Hast du ihn noch nie gesehen?«

 

»Zweimal. Aber das ist schon Jahre her«, erwiderte ich und schüttelte den Kopf. »Er ist für mich ein fremder Mann. Und ich soll bei ihm wohnen?!«

 

Olivia fuhr sich nachdenklich durch ihr gelocktes, schwarzes Haar. Dann zog sie die Mundwinkel herunter. »Ok, das ist ein bisschen schräg.«

 

»Meine Mutter sieht das nicht so. Sie denkt nur an meinen Lebenslauf

 

»Na ja, da er dein Onkel ist, wirst du bestimmt ein 1A-Zeugnis bekommen. Das ist nicht schlecht. Dann kannst du einfach ein paar Wochen die Beine hochlegen.«

 

»Ganz so sicher bin ich mir nicht. Alles, was ich bisher über ihn gehört habe, klang nicht als wäre er besonders nett

 

»Nein?«, fragte Olivia neugierig.

 

Wir waren inzwischen an der Haltestelle angekommen. Gerade fuhr die U-Bahn Richtung City ein. Nachdem wir eingestiegen waren und uns ein gemütliches Plätzchen gesucht hatten, erklärte ich: »Normalerweise hat meine Mutter nie was mit ihm zu tun. Ich glaube nicht, dass sie im letzten Jahr auch nur einmal miteinander telefoniert haben. Zu meinen Großeltern hat er anscheinend auch keinen Kontakt.«

 

»Er arbeitet wahrscheinlich viel.« Sie stupste mich aufbauend an. »Vielleicht wirst du gar nicht so oft mit ihm zu tun haben.«

 

»Das hoffe ich«, sagte ich und schenkte Olivia dann ein schmales Lächeln. »Lass uns über was anderes reden.«

 

»Ja, zum Beispiel darüber, was ich die ganze Zeit mache, wenn du in Seattle bist. Ich hatte mich schon so auf die Ferien gefreut. Du weißt schon: Feiern, Eisessen, Shoppen und Relaxen. Aber ohne dich macht das alles nur halb so viel Spaß.«

 

»Du kannst mich ja mal besuchen kommen«, schlug ich vor.

 

»Ja. Wenn dein Onkel dich nicht aufgefressen hat, komme ich auf jeden Fall!«, lachte sie, aber wurde dann plötzlich leiser. »Weiß Finn schon davon?«

 

»Nein«, gab ich zu und machte eine bedrückte Miene.

 

»Er wird das schon verstehen.«

 

»Das hoffe ich.« Aber wirklich glauben konnte ich es nicht. Finn war sehr anhänglich. Das würde ihm bestimmt nicht gefallen.

 

 

 

 

 

 

Olivia und ich verbrachten den ganzen Nachmittag in der Einkaufsmeile. Ich gab die Hälfte meines mühsam angesparten Geldes für businessmäßige Kleider aus. Eigentlich mochte ich es ja lieber bequem und kuschelig. Aber meine Mutter hatte Recht. So konnte ich in diesem Unternehmen nicht auftauchen.

 

Meine innig geliebten Chucks würden wohl eine Weile ohne mich auskommen müssen. Zu guter Letzt investierte ich auch noch 70 Dollar in einen wasserabweisenden Windbreaker. Den würde ich in Seattle bestimmt gut gebrauchen können.

 

Vollbepackt setzten Olivia und ich uns anschließend noch in ein Café und gönnten uns einen leckeren Milchkaffee. Dann machte Olivia sich auf den Weg zu ihrem Job. Sie arbeitete dreimal die Woche als Verkäuferin in einem Copy Shop. Ich hingegen jobbte im Semester am Wochenende als Kellnerin.

 

Als ich später allein in der U-Bahn saß, hatte ich leider keine Ablenkung mehr. Nun dachte ich wieder an die bevorstehenden Monate. Ganz zufällig fiel mein Blick auf das Schild, das auf das kostenlose WLAN-Netzwerk hinwies. Und da kam mir eine Idee.

 

Ich holte mein Smartphone hervor. Kurz zögerte ich. Dann tippte ich seinen Namen ein. John Sterling.

 

Google spuckte sofort dutzende Bilder aus. Ich klickte gleich auf das erste.

 

Ich hatte ganz vergessen, wie er ausgesehen hatte. Mit meiner Mutter hatte er keinerlei Ähnlichkeit. Sie war blond, er war schwarzhaarig, sie hatte braune Augen, er strahlend blaue, ihr Hautton war hell, seiner olivfarben. Ich hatte davon gehört, was ihm passiert war. Von diesem Unglück, das ihn beinahe umgebracht hatte. Er hatte überlebt, aber die Erinnerungen daran würden nie verschwinden. Tiefe Narben verliefen von der linken Schläfe quer über die Stirn und verschwanden dann unter dem dichten, kurzen Haar.

 

Trotzdem war er in meinen Augen ein attraktiver Mann. Aus meiner Erinnerung wusste ich noch, dass er sehr groß gewesen war. Und dem Bild nach zu urteilen, war er auch sehr gut trainiert. Er hatte breite Schultern, einen muskulösen Hals. Sein Gesicht war nicht klassisch schön, aber sehr markant. Mit den tiefsitzenden Brauen, den schmalen Wangen, dem ausdrucksstarken Kiefer wirkte er stark und durchsetzungsfähig. Der Blick seiner Augen verriet, dass er es gewohnt war, dass sich alles und jeder seinem Willen beugte. Ganz ohne Frage war dieser Mann weder besonders nett noch verständnisvoll. Alles an ihm wirkte so unbeschreiblich unnachgiebig, stur, mächtig.

 

Nun hatte ich noch mehr Schiss vor Samstag. Ich war mir sicher, er würde einiges von mir fordern. Von ihm würde ich garantiert keinen Bonus bekommen, nur weil meine Mutter seine Schwester war.

 

 

 

 

 

 

Meine Gedanken an ihn spukten noch immer in meinem Kopf herum, als ich in der Dämmerung nach Hause kam. Meine Mutter war arbeiten und so war ich allein. Ich drückte mich noch eine Weile vor dem unvermeidlichen, nämlich Finn Bescheid zu sagen.

 

Im Gegensatz zu meiner Mutter und Olivia war ich mir nicht so sicher, dass er total cool bleiben würde. Wir hatten uns auf den Sommer gefreut. Finn hatte bereits Pläne geschmiedet. Er hatte mich auf einen Wochenend-Trip zu seinen Eltern einladen wollen.

 

Ja, soweit waren wir schon.

 

Allerdings hatten wir immer noch nicht miteinander geschlafen. Und das lag fraglos an mir. Ich war Jungfrau. Mit voller Absicht.

 

Es war nicht so, dass ich keine Lust gehabt hätte. Mein XXL-Vibrator und ich waren engste Vertraute. Und ich nahm auch die Pille. Aber ich war einfach noch nicht dazu bereit, meine intimsten Geheimnisse mit jemandem zu teilen. Nicht einmal mit Finn. Obwohl wir schon über ein Jahr zusammen waren.

 

Nachdem ich Abendessen gemacht und die Portion für meine Mutter kaltgestellt hatte, ging ich in mein Zimmer. Dort ließ ich mich auf mein Bett plumpsen und atmete tief durch. Als ich meinte, ich hätte mich für das Gespräch gewappnet, wählte ich endlich Finns Nummer. Er nahm sofort ab.

 

»Hey meine Süße!«, meldete er sich. »Sag bloß, du hast an mich gedacht.«

 

»Das tue ich ständig«, erwiderte ich lachend. Das stimmte auch. Allerdings nicht unbedingt im Guten.

 

»Ich noch mehr. Hast du Zeit? Wir könnten was machen! Ich kann in 20 Minuten bei dir sein.«

 

»Heute besser nicht«, murmelte ich. »Ich hab noch einiges zu tun.«

 

»Das klingt aber nicht gut«, erwiderte er vorsichtig. »Was stimmt nicht? Die Klausuren sind rum, das Wetter ist spitze und das Wochenende steht vor der Tür.«

 

»Ja, es … geht um dieses Praktikum.«

 

»Was stimmt damit nicht?«

 

Ich holte schwer Luft. »Die Dinge haben sich geändert. Ich werde das Praktikum in Seattle machen.«

 

Es entstand eine lange Pause. »Seattle?«, wiederholte Finn ungläubig. »Warum?«

 

»In der Firma meines Onkels. Normalerweise würde ich da nie einen Platz bekommen. Aber dieses Praktikum ist wichtig. Für später.«

 

»M-hm«, machte er brummelnd und schwieg dann wieder. »Und seit wann weißt du das?«

 

»Ehrlich gesagt, seit heute Mittag.«

 

»Das wird ja nicht einfach so angeflogen gekommen sein.«

 

Nun wurde er also zickig. Allerdings konnte ich ihm das nicht wirklich verdenken. Er hatte sich schon darauf gefreut, dass wir uns jeden Tag sehen konnten. »Meine Mutter hat sich darum gekümmert.«

 

»Du hattest doch schon eine Stelle. Bei der hättest du doch bleiben können.«

 

Darauf fiel mir so schnell nichts ein. Natürlich war das Praktikum in Seattle viel prestigeträchtiger. Aber das war nicht alles. Meine Mutter war einfach sehr bestimmend und ich … tja, ich gab meistens nach. Vielleicht fühlte ich mich ihr gegenüber schuldig.

 

Mein Vater war abgehauen. Er war gegangen und hatte nicht nur meine Mutter, sondern auch mich verlassen. Aber sie war geblieben. Sie hatte für mich gesorgt. Sie hatte das ganz allein getan.

 

Sicher, sie war meine Mutter. Aber wenn ein Vater einfach verschwinden konnte, warum dann nicht auch eine Mutter? Ich war ihr dankbar. Und ja, ich hatte ihr gegenüber auch manchmal ein schlechtes Gewissen. Tatsache war zumindest, dass ich es ihr nicht schwerer als unbedingt nötig machen wollte. Ich war immer ein pflegeleichtes Kind gewesen. Oder zumindest hatte sie von meinen Fehltritten – Kiffen, Trinken, wilde Partys, noch wilderes Rumknutschen – nie etwas mitbekommen. Vielleicht hatte ich einfach Angst, sie auch noch zu verlieren.

 

»Deine Mom hat das einfach für dich entschieden, oder?«, fragte Finn aufgebracht. »Und du konntest natürlich nicht Nein sagen!«

 

»Es sind nur drei Monate«, erinnerte ich ihn und mir fiel es wirklich schwer, nett zu bleiben.

 

»›Nur?!‹ Das ist verdammt lang! Und außerdem auch verdammt kurzfristig!«

 

»Ich weiß. Tut mir leid.«

 

»Ich finde, in einer Beziehung sollte man Rücksicht aufeinander nehmen. Du hast gewusst, wie sehr ich mich auf die Ferien gefreut habe.«

 

»Ich kann es aber nun mal nicht ändern. Du könntest dich auch mit mir freuen. Das ist eine riesige Chance für mich, Finn.«

 

»Ja ja, das freut mich sehr für dich«, grummelte er und schnaubte ärgerlich. »Egal. Lass uns wann anders reden. Ich hab zu tun.«

 

»Ok«, flüsterte ich, aber er hatte schon aufgelegt. Seufzend ließ ich mich zurücksinken und vergrub meinen Kopf in den Kissen.

 

Das war wirklich nicht gut gelaufen.

 

ఈఖథ

 

- 3 -

 

 

 

 

 

AM Freitagmorgen kurz nach sechs bekam ich eine Erinnerung auf meinem Tablet angezeigt. Samstag, 11:30 Sea-Tac Airport: Laura Sterling stand dort kurz und knapp. Es war nur eine Erinnerungen unter vielen und diese hatte ich vollkommen aus den Augen verloren. Zwei Anrufe und die Sache war geklärt: ich beorderte einen meiner Fahrer zum Flughafen und wies die Haushälterin an, eines der Gästezimmer herzurichten.

 

Dann hatte ich das Ganze schon beinahe wieder vergessen. Nur noch kurz dachte ich diesen eigenartigen Anruf von meine Schwester Dora. Eigenartig vor allem deswegen, weil sie sich sonst nie bei mir meldete. Das war absolut okay für mich. Familie bedeutete nur Arbeit. Natürlich hatte sie auch nur bei mir angerufen, weil sie etwas von mir wollte. Auch das war in Ordnung. Telefongespräche, in denen niemand etwas wollte außer die Stimme des anderen zu hören, waren reine Zeitverschwendung.

 

Dora hatte mir tausendmal gedankt. Ich hatte das so hingenommen. Tatsächlich bedeutete diese Sache keinen großen Aufwand für mich. Meine Wohnung war so groß, dass ich diesem Mädchen ohnehin kaum je begegnen würde. Und in der Firma würde sich irgendein Angestellter mit ihr befassen. Ich hatte wichtigeres zu tun. Außerdem machte ich das nicht umsonst. Alles hatte seinen Preis. Und Dora kannte ihn genau.

 

 

 

 

 

 

Der Morgen graute noch, aber ich war bereits unterwegs zum Unternehmenshauptsitz. Zu dieser Uhrzeit waren die Straßen in der Innenstadt noch frei und das schätzte ich. Im Gegensatz zu vielen anderen CEOs legte ich nicht die Füße hoch. Ich arbeitete jeden Tag, von morgens bis abends, ob in Seattle oder in einer der Tochterfirmen rund um die Welt.

 

Meine Mitarbeiter im Hauptsitz waren immer froh, wenn ich nicht im Haus war. Das wusste ich. Ich war alles andere als ein netter Chef. Und ich legte auch wirklich keinen Wert darauf, von meinen Untergebenen gemocht zu werden. Sie sollten mich respektieren. Respekt kann man sich auf zwei Arten verdienen. Entweder indem man ein Vorbild ist oder aber beängstigend. Mir waren beide Wege Recht.

 

Kaum hatte ich meine schwarze Limousine in der Tiefgarage auf meinem reservierten Platz geparkt, tauchten hinter mir Neon-Scheinwerfer auf. Ich wusste genau, wer da kam.

 

Der andere Wagen hielt neben meinem an. Dann öffnete sich die Tür und die geschmeidigen, langen Beine von Gwen Hendsman kamen zum Vorschein. Die 32-jährige war meine persönliche Assistentin. Sie bekleidete diese Position nun schon fast drei Jahre. Eine verdammt lange Zeit. Alle anderen vor ihr hatten es nicht so lange ausgehalten. Aber Gwen hatte viele Qualitäten. Sehr viele. Nicht nur wenn es um die Arbeit ging.

 

Nachdem sie die Tür geschlossen hatten, neigte sie sich tiefer und schaute zum Seitenfenster herein. Ihr schwarzer Blouson stand offen. Mein Blick fiel auf ihr Dekolletee, das unter dem blauen Hemd zum Vorschein kam. Ich hatte diesen Anblick schon oft genossen – auch ganz ohne Kleider. Aber noch immer reizte sie mich.

 

Gwen und ich waren uns in einer Sache sehr ähnlich. Es gab nicht viele Menschen, die es schafften, Arbeit und Sex zu trennen. Sie war darin eine Meisterin.

 

Ich hatte sie nie danach gefragt, aber ich schätzte, genau darum war sie überhaupt so weit gekommen. An ihren Noten konnte es nicht gelegen haben. Aber meiner Meinung nach waren Gwens besondere Fähigkeiten an einer Universität auch vollkommen verschwendet. Sie war jemand, der vom Leben lernte. Und das Leben hatte ihr beigebracht, hartnäckig, gewinnsüchtig und absolut kalt zu sein. Nicht gerade die schlechtesten Eigenschaften, wenn man es in dieser Branche zu etwas bringen wollte.

 

Endlich stieg ich aus. Mit einem vielsagenden Lächeln nickte Gwen mir über das Wagendach hinweg zu. »Sie sehen gut aus, Mr. Sterling«, schnurrte sie.

 

»Danke«, erwiderte ich knapp. »Und ich weiß schon, auf was du hinauswillst. Aber das Meeting wurde auf acht Uhr vorverlegt.«

 

»Aber wenn wir uns beeilen …«

 

Mit dunklem Unterton raunte ich: »Du weißt, mein Talent geht genau in die andere Richtung.«

 

»Ja, ich weiß. Sie haben so viele und sehr tiefgehende Talente«, erwiderte sie und zwinkerte mir zu. Dann ging sie vor Richtung Fahrstuhl. Ich konnte nicht damit aufhören, ihren knackigen Po in ihrem hautengen Rock zu betrachten.

 

Außer uns waren nur die Pförtner und Sicherheitsleute im Gebäude. Manche Menschen wagten es Witzchen darüber zu reißen, dass ich einen Sicherheitsapparat unterhielt, der einem Großgefängnis würdig war. Aber das taten sie auch nur solange, bis sie erkannten, weshalb ich das tat. Es gab viele schlechte Menschen. Sehr viel schlechtere als mich. Und genau wegen diesem Abschaum wimmelte es im Foyer, in den Gängen und Aufgängen von Sicherheitspersonal.

 

Mein Büro lag im obersten Stockwerk. Viele Besucher waren ganz begeistert von der Aussicht. Ich persönlich fand die von meinem Appartement aus besser. Aber während der Arbeit hatte ich ohnehin keine Zeit. Ich ließ mich nicht ablenken.

 

Als Gwen hinter mir eintrat, schaltete sie ganz automatisch in den professionellen Modus. Unsere Affäre ging niemanden etwas an. Aber ich schätzte, ein Geheimnis war sie auch nicht. Garantiert redeten die Leute hinter unserem Rücken. Sollten sie doch. Mich hatte es nie interessiert, was andere über mich dachten.

 

»Ich brauche die Berichte der Personalabteilung«, wies ich sie an, kaum dass ich mich auf den Ledersessel hinter dem schweren Mahaghoni-Schreibtisch gesetzt hatte.

 

»Bin schon dabei, Sir«, sagte sie und nickte einsichtig. Dann ging sie durch die breite Doppeltür nach draußen.

 

Zum Glück erledigte Gwen all ihre Aufgaben, ohne dabei irgendwelche Gefühle zu investieren. Sie dachte in den gleichen Größen wie ich: Gewinn oder Verlust. Und deswegen kümmerte es sie auch nicht, dass eine neue Entlassungswelle bevorstand. Außer ihr wusste bis jetzt nur der Chefpersonaler, Mr. Banks, davon. So sollte es auch vorerst bleiben. Niemand brauchte frustrierte, wütende oder verzweifelte Angestellte.

 

Während ich auf die Zahlen der Personalabteilung wartete, checkte ich mein elektronisches Postfach. Normalerweise arbeitete ich die Nachrichten immer von unten nach oben ab. Aber diesmal nicht. Gleich die erste Mail erregte meine Neugier. Sie war von meiner Schwester.

 

Was zur Hölle wollte sie denn noch? Hatte ich ihr nicht schon genug geholfen?

 

Zuerst überlegte ich, sie einfach zu ignorieren. Aber dann gab ich meiner Neugier nach und öffnete die Mail.

 

 

 

Lieber John,

 

 

 

bitte entschuldige, ich will dich wirklich nicht stören. Ich mache es kurz: Laura war ziemlich überrumpelt. Vermutlich wird sie in den ersten Tagen ein wenig niedergeschlagen sein. Es wäre wirklich unglaublich nett von Dir, wenn Du ein ganz klein bisschen Rücksicht auf sie nimmst.

 

 

 

Danke (falls Du das überhaupt liest)!

 

Dora

 

 

 

Zunächst saß ich ganz ruhig da. Dann stieß ich ein ungläubiges Keuchen aus. Ich schrieb ihr zurück. Kurz und deutlich:

 

 

 

Wir werden sehen.

 

 

 

Dann verfrachtete ich ihre Mail direkt in den Papierkorb. Es war womöglich doch ein Fehler gewesen, ihrer Bitte nachzukommen. Ich eignete mich nicht als Babysitter. Es hatte schon seine Gründe, dass ich keine Kinder hatte.

 

ఈఖథ

 

- 4 -

 

 

 

 

 

DEN ganzen Freitag hatte ich mit Packen verbracht. Auch wenn meine Mutter das meinte, musste ich ja nicht nur Klamotten mitnehmen. Nein, ich schleppte auch noch einen Haufen Fachbücher mit. Ich hatte Schiss, dass mich jemand etwas fragen könnte und dann allen auffiel, dass ich noch sehr wenig Ahnung von der Thematik hatte. Außerdem nahm ich einen Regenschirm, einen Rucksack aus wasserabweisendem Material und frisch imprägnierte Schnürschuhe mit. Ungefähr das Gleiche hätte ich wohl auch zu einem Segel-Törn mitgebracht. Aber soweit war Seattle ja nicht davon entfernt, wenn man den Wetterberichten glauben durfte.

 

Als ich dann nach getaner Arbeit früh zu Bett ging, konnte ich kein Auge zutun. Mir schwirrten so viele Fragen im Kopf herum:

 

Würde Finn mir bald verzeihen? Er hatte sich den ganzen Tag nicht gemeldet. Normalerweise hielt es keine drei Stunden ohne ein Wort von mir aus.

 

Außerdem:

 

Wie genau würde ich die nächsten drei Monate verbringen? Wo würde ich wohnen? In was für einem Bett würde ich schlafen? Was würde ich zu Essen bekommen? Ob es für meinen Onkel wohl okay war, dass ich gerade eine vegetarische Phase durchmachte?

 

Und überhaupt:

 

Was würde ich den ganzen Tag machen? Würde ich überall als die Nichte des Chefs vorgestellt werden oder würde man mich zum Kaffeekochen verdonnern?

 

Ich war mir nicht sicher, was schlimmer wäre.

 

Es drückte in meiner Magengegend, wenn ich an Morgen dachte. Und das lag gar nicht am Flug, obwohl ich Fliegen nicht besonders mochte. Es lag vor allem an ihm. Ich hatte wirklich nicht die geringste Ahnung, wie er auf mich reagieren würde. Ob er sich wohl freute? Er machte auf mich nicht gerade den Eindruck, als wäre er leicht zu erfreuen.

 

 

 

 

 

 

Mein Wecker klingelte um kurz nach fünf. Ich hatte ohnehin nur unruhig gedöst und stellte ihn sofort aus. Dann wälzte ich mich zur Bettkante und gähnte ausgiebig.

 

Na, toll. Ich würde aussehen wie ein Zombie. Dabei wusste ich genau, wie wichtig das Aussehen für Erfolg im Job war – und dass es umso wichtiger wurde, je höher man stieg.

 

Eigentlich war ich nicht besonders eitel. Ich konnte ganze Wochenenden in Schlabberpullis und Jogginghose verbringen, ohne auch nur einmal an mein Spiegelbild zu denken. Aber in den kommenden Wochen und Monaten konnte ich mir das nicht leisten.

 

Aber so sehr ich mich auch stylte: Ich würde nie wie eine dieser aalglatten, bildhübschen, topfitten Business-Mannequins aussehen. Das fing schon mit meiner Größe an. Mit knapp 1,60 taugte man nicht als lebender Kleiderständer. Und ich war auch nicht gerade hager.

 

Klamotten, die an großen, schlanken Frauen elegant, schick und teuer aussahen, sahen bei mir einfach nur teuer aus. Daran hatte ich mich gewöhnt. Genauso wie an meine schulterlangen, fuchsroten Haare, meine leichten Segelohren und die Sommersprossen. In der Pubertät hatten mich diese Details eine Zeitlang schrecklich gestört. Aber das hatte ich hinter mir gelassen. Mittlerweile war ich wirklich zufrieden. Vor allem weil ich irgendwann damit aufgehört hatte, mich mit anderen zu vergleichen.

 

Aber an diesem Morgen war ich sehr viel kritischer als sonst. Ich legte etwas Makeup auf: Wimperntusche, ein wenig Rouge, dezenten Lidschatten. Meine Haare band ich zu einem Messy Bun hoch, den ich dann ordentlich feststeckte.

 

Nachdem ich die weiße Bluse, die schwarze Hose, den schwarzen Blazer und die schwarzen Schuhe mit Absatz angezogen hatte, betrachtete ich mich im Spiegel. Und ich stellte fest, dass ich schrecklich langweilig aussah. Ich persönlich trug ja lieber auffällige Farben: kornblumenblau, tannengrün, brombeerpink. Um zumindest ein bisschen Farbe zu tragen, tauschte ich das weiße Hemd gegen ein lindgrünes.

 

 

 

 

 

 

»Du siehst ja richtig schick aus«, begrüßte meine Mutter mich als ich in die kleine Küche kam. Sie hatte schon Frühstück gemacht und Kaffee aufgesetzt.

 

O ja, Kaffee … Mein Lebenselixier. Ich hoffte mal, mein Onkel gehörte nicht zur Fraktion ›Kaffee übersäuert den Körper‹. Ohne meinen Morgenkaffee war ich nämlich zu nichts zu gebrauchen.

 

»Danke, danke«, murmelte ich und rang mir ein schiefes Grinsen ab. Garantiert war mir an der Nasenspitze anzusehen, wie angespannt ich war.

 

»Ich bring dich zum Flughafen. Aber iss erstmal was. Das Zeug, was die im Flugzeug ausgeben, ist ja immer total eklig«, sagte sie und wies freundlich zum Tisch.

 

Kaum hatte ich mich gesetzt, brachte sie mir auch schon eine Tasse heißen Kaffee und zwei Scheiben frischen Toast. So fürsorglich war sie normalerweise nie. Dann setzte sie sich mir gegenüber und starrte gedankenverloren auf ihren Morgenkaffee hinunter. Sie drehte die Tasse in den Fingern, während sie nachdenklich die Lippen spitzte.

 

»Das wird schon«, meinte sie dann. »Es ist ja nicht für immer.«

 

»Ja, bestimmt.«

 

»Und, na ja, Seattle ist auch eine schöne Stadt. Tolle Natur und so weiter.« Geistesabwesend nickte sie vor sich hin.

 

Was sollte das denn werden? Meine Mutter sah ja richtig besorgt aus. Was war denn aus ›Stell dich nicht so an!‹ geworden? Mein Schiss wurde mehr und mehr zu echter Angst.

 

»Und falls du es gar nicht aushältst …« Mitten im Satz unterbrach sie sich selbst. Prüfend blickte sie in mein erstauntes Gesicht. Plötzlich begann sie zu kichern und winkte ab, so als fände sie ihre eigenen Worte lächerlich. »Ach was, dazu wird es nicht kommen.«

 

So ganz glaubte ich ihr das nicht. »Ich werde mich benehmen, falls du das meinst«, versprach ich ihr.

 

»Aber klar wirst du das. Du bist eine sehr reife, zielstrebige junge Frau. John wird total begeistert sein.« Es klang ein bisschen so, als müsste sie sich selbst Mut zusprechen.

 

Ich bekam kaum einen Bissen herunter. In meiner Magengegend drückte es.

 

Meine Mutter war kurzfristig zur Super-Mom mutiert und schmierte mir sogar ein Brot für die Reise. Dann machten wir uns daran, zu zweit mein Gepäck nach unten zu hieven.

 

»Hast du auch irgendwas im Schrank gelassen?«, fragte sie prustend, als wir es vom dritten Stock bis zum Gehweg geschafft hatten.

 

»Ja, das meiste sogar. Ich hab Bücher dabei und … einen Regenschirm und … na ja, so viele Klamotten, dass ich nicht alle drei Tage das Gleiche anhabe.«

 

»Ja ja, sorry!«, keuchte sie und strich sich ihr Pony aus der Stirn. »Du machst das bestimmt alles richtig.«

 

Für den Weg zur U-Bahn brauchten wir mindestens doppelt so lange wie sonst. Gerade noch rechtzeitig. Die Bahn war schon eingefahren. Meine Mutter hechtete zur Tür und hielt sie offen, bis wir alles hineinverfrachtet hatten. Zum Glück mussten wir nicht umsteigen.

 

 

 

 

 

 

Auf dem Flughafen wartete eine Überraschung auf mich. Wir waren gerade mit der Rolltreppe ins Terminal gefahren, als ich weiter vorne einen quietsch-rosanen Ballon entdeckte. Auf diesem stand in geschwungener, weißer Schrift: I miss you!

 

Ich war mir noch nicht sicher, ob ich das süß oder übertrieben finden sollte, als mir auffiel, wer diesen Ballon hielt. Finn. Und direkt neben ihm stand Olivia. Beide winkten uns zu, als wir in Sicht kamen.

 

»O wow«, sagte meine Mom von der Seite, »so ein Abschiedskomitee hätte ich auch gerne mal.«

 

Ja, Olivia war immer für eine Überraschung gut. Und sie lebte ihre Gefühle aus, egal wie groß und schwierig oder überbordend sie waren. Genau das bewunderte ich an ihr. Ich selbst war oft viel zu gehemmt. Aber von Finn hätte ich das nicht erwartet. Hatte Olivia ihn etwa dazu angestachelt? Selbst wenn. Ich entschied, dass ich mich einfach freuen sollte.

 

Olivia fiel mir um den Hals, als ich bei ihr angekommen war.

 

»Ach meine Süße, du wirst mir so fehlen!«, säuselte sie mir ins Ohr und ich drückte sie noch fester.

 

Finn hatte sich anscheinend mittlerweile mit der Situation abgefunden. Er breitete die Arme aus, drückte mich an sich und hauchte mir dann einen Kuss auf die Lippen. »Tut mir leid, dass ich so war«, sagte er dann.

 

»Ist schon vergessen«, versprach ich und kuschelte mich an ihn.

 

»Ich will dir wirklich nicht im Weg stehen. Hauptsache du bist glücklich.«

 

Nun, ob diese drei Monate mich sonderlich glücklich machen würden, wagte ich zu bezweifeln. Aber wenn ich deswegen später mal einen tollen Job bekommen sollte, dann würde ich das wohl anders sehen.

 

Die drei blieben bei mir, während ich eincheckte und vertrieben sich dann mit mir die Wartezeit. Wir tranken noch zusammen eine Limo, bis dann mein Flug auf der Anzeigetafel erschien.

 

»Ich ruf euch gleich an, wenn ich angekommen bin«, versprach ich und drückte alle der Reihe nach noch einmal. Meine Mutter und meine Freunde brachten mich zur Sicherheitskontrolle. Dort winkten sie mir zu, bis ich um die Ecke verschwunden war.

 

Die Sicherheitsbeamtin, die mich durchcheckte, war von meinem Abschiedsgeschenk nicht so begeistert wie ich. Wortlos deutete sie auf den riesigen Ballon.

 

»Und was machen wir jetzt?«, fragte ich ratlos.

 

»Lassen Sie die Luft raus und packen sie ihn ins Handgepäck.« Das war kein Vorschlag, sondern ein Befehl.

 

Nachdem ich auch die Überprüfung überstanden hatte, begab ich mich in den Wartebereich. Außer mir waren vor allem Geschäftsreisende dort. Nun, genau genommen war ich das ja auch. Jedenfalls war ich nicht zum Vergnügen hier.

 

20 Minuten vor Abflug durften wir dann einsteigen. Ich hatte einen Fensterplatz in einer der letzten Reihen. Kaum hatte ich mich gesetzt, holte ich mein Smartphone und Kopfhörer hervor. Ich hatte ganz dringend noch ein bisschen Schlaf nachzuholen.

 

 

 

 

 

 

Erst die Durchsage des Kapitäns riss mich aus meinen Träumen. Wir landeten bereits. Ich rieb mir die Lider und rückte dann ganz dicht ans Fenster heran. Dort unten lag Seattle. Und – oh Wunder – es regnete.

 

Die Stadt war im Norden von zerklüfteten Inseln im sturmgepeitschten Ozean umgeben, im Süden von dichten, dunklen Wäldern. Das ganze Stadtgebiet war von Flüssen und Seen zerteilt. Aber es sah nicht so einladend aus, dass ich dort schwimmen gehen wollte.

 

Nach der Landung schnallte ich mich rasch los. Aber dann musste ich warten, bis sich der vordere Teil der Kabine geleert hatte. Und meine Aufregung stieg.

 

Der Weg bis zur Gepäckausgabe erstreckte sich über gefühlte fünf Kilometer. Leider waren meine Absatzschuhe dafür nicht gemacht. Als ich ankam, drehte mein Koffer bereits seine Runden. Ich wuchtete ihn vom Gepäckband und zerrte ihn dann hinter mir Richtung Ausgang.

 

Gerade als ich durch die Glastüren trat, entdeckte ich jemanden, der ein Schild mit meinem Namen in die Höhe hielt. Das war eindeutig nicht mein Onkel. Etwas verdutzt ging ich auf den Mann zu. Er war groß, etwa 30, sehr gepflegt und trug einen dezenten grauen Anzug mit weißem Hemd und blauer Krawatte. Offenbar erkannte er mich. Denn noch während ich auf ihn zuging, ließ er das Schild sinken und nickte mir zu.

 

»Hallo, ich, äh, bin Laura«, stellte ich mich vor.

 

»Sehr erfreut, Mrs. Sterling. Mein Name ist Ford. Mr. Sterling hat mich beauftragt, Sie abzuholen. Ihr Wagen wartet draußen«, erklärte er sehr nüchtern. Dieser Mann war eindeutig kein Freund meines Onkels, sondern ein Untergebener.

 

»Ok, danke, Mr. Ford«, sagte ich lächelnd, aber das wurde nicht erwidert.

 

Sofort nahm er mir mein Gepäck ab und führte mich dann zu einem der Parkplätze. Zielsicher trat er auf einen schwarzen 7er BMW mit getönten Scheiben zu. Ein teurer Wagen, das wusste ich. Aber auch einer, mit dem man keine Aufmerksamkeit erregte.

 

Nachdem wir eingestiegen waren, fragte ich: »Wohin fahren wir?«

 

»Zu Mr. Sterlings Appartement«, sagte er und fuhr los.

 

»Aha«, machte ich, aber dann fragte ich weiter: »Ist er auch da?«

 

»Nein, Mr. Sterling arbeitet.« Anscheinend war er nicht gerade erfreut über diese Unterhaltung. Aber mir schien, das lag nicht an mir. Hatte er Angst, etwas Falsches zu sagen?

 

»Es ist Samstag«, erwiderte ich.

 

Mr. Ford schenkte mir einen knappen Seitenblick. So als wäre dieser Hinweis absolut unnötig.

 

»Dann könnten wir ja vielleicht auch zur Firma fahren«, schlug ich vor. »Ich mache dort Praktikum und dann kann ich mich ja schonmal umsehen.«

 

Mr. Ford schwieg eine Weile. Schließlich meinte er nüchtern: »Ich bin mir nicht sicher, ob das Mr. Sterling Recht wäre.«

 

»Fragen Sie ihn doch«, erwiderte ich und deutete auf die Freisprecheinrichtung.

 

Aber auch das gefiel Mr. Ford nicht. Ihm war anzusehen, wie es in seinem Kopf arbeitete. Vielleicht wägte er ab, was schlimmer wäre: Mr. Sterling anzurufen oder meine Bitte zurückzuweisen. Plötzlich grummte er leicht. »In Ordnung.« Es hörte sich an, als befürchtete er, das könnte noch ein Nachspiel haben.

 

 

 

 

 

 

Dir Firma lag direkt im Zentrum von Seattle, in einem riesigen Hochhaus mit Glasfassade. Wir hielten in der Tiefgarage. Mit dem Fahrstuhl fuhren wir in den 17. Stock. Mr. Ford brachte mich in das Vorzimmer von Mr. Sterlings Büro. Dort empfing uns eines dieser Business-Mannequins. Sie war offensichtlich überrascht, uns zu sehen.

 

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie höflich, aber mir fiel auf, wie sie mich musterte. So als gehörte ich hier nicht hin. Meine Kleider konnten wohl nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich normalerweise nicht in solchen Kreisen unterwegs war.

 

»Das ist Mrs. Laura Sterling«, erklärte Mr. Ford.

 

»Aha ja«, sagte die Dame und zögerte, dann sagte sie aber: »Sehr erfreut, Mrs. Sterling.«

 

Mir entging die angespannte Stimmung nicht. »Ich, ähm, kann mich auch einfach etwas umsehen. Ich wollte wirklich keine Probleme machen.«

 

»O keine Sorge«, beruhigte mich die Sekretärin und betätigte dann die Gegensprechanlage.

 

ఈఖథ

 

- 5 -

 

 

 

 

 

AM Festnetztelefon leuchtete die Anzeige für das Vorzimmer auf. Eigentlich hatte ich Mrs. Enad angewiesen, mich nicht zu stören. Und eigentlich war sie immer sehr zuverlässig. Es musste etwas Dringendes sein. Jedenfalls hoffte ich das für sie.

 

Mit ungehaltenem Unterton fragte ich: »Was?«

 

»Entschuldigen Sie bitte die Störung«, meldete sich Mrs. Enad. »Ihre … Nichte Laura Sterling ist hier.«

 

Ich stockte. Hier? Ich hatte Ford doch angewiesen, sie zu meiner Wohnung zu bringen? Was zum Teufel hatte er sich dabei gedacht? Ich hatte gerade wirklich keine Zeit für so etwas. Allerdings – das war Fords Schuld.

 

»Fünf Minuten«, brummte ich unwirsch. Dann stand ich auf, strich meinen Anzug glatt und trat um meinen Tisch herum.

 

Gerade in dem Moment öffnete sich die Tür. Nur einen Spalt weit. Dann kam ein roter Haarschopf zum Vorschein. Seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte, waren viele Jahre vergangen. Damals war sie noch ein kleines Mädchen gewesen. Jetzt war sie erwachsen. Aber sie sah trotzdem noch sehr jung aus. Eher wie 17.

 

Sie hatte noch immer Sommersprossen, eine Stupsnase, ein weiches Gesicht mit spitzem Kinn und einem kleinen, runden Mund. Und im Gegensatz zu den allermeisten anderen Frauen, mit denen ich zu tun hatte, wirkte sie weder besonders kultiviert noch elegant oder grazil. Nein, sie war vielmehr … niedlich.

 

Mit ihren großen, grau-grünen Kulleraugen schaute sie mich an. Ihre Lider waren weit aufgerissen. So als wäre sie ein kleines Lämmchen und ich der böse Wolf.

 

»Komm rein«, sagte ich, weil sie nur wie erstarrt in der Tür stand.

 

Wortlos nickte sie und trat schließlich ein. Sehr vorsichtig schloss sie dir Tür hinter sich, so als hätte sie Angst, irgendetwas falsch zu machen. Dann kam sie zu mir. Langsam und leise. Und je näher sie kam, umso röter wurde ihr Gesicht. Ich konnte dabei zusehen, wie das puterrote Leuchten ihren Hals hinaufwanderte, ihre Wangen zum Glühen brachte und ihr schließlich den Schweiß auf die Stirn trieb.

 

Es war nichts Ungewöhnliches, dass Leute Angst vor mir hatten. Aber die meisten waren besser darin, das zu verstecken.

 

Als sie dann endlich vor mir stehenblieb, faltete sie ihre zittrigen Hände ineinander. »Hallo«, hauchte sie und schluckte schwer. Anscheinend wusste sie nicht, wie sie mich ansprechen sollte.

 

»Hallo Laura«, begrüßte ich sie, um klarzustellen, dass ich nicht vorhatte, Sie zu siezen. Sie war ja schließlich Teil der Familie. Und es hätte komisch ausgesehen, sie mit ihrem Nachnamen anzusprechen.

 

Das ließ sie ein wenig auftauen. »Ich hoffe, es ist okay, dass ich hier bin«, sagte sie zögernd und rang sich dann ein unsicheres Lächeln ab. Sie hatte Grübchen in den Wangen. Und ihre Vorderzähne standen nicht perfekt gerade und außerdem hatte sie auch noch Hasenzähne. Niedlich. Wirklich. Aber wenn sie es in dieser Branche zu etwas bringen wollte, sollte sie das schleunigst korrigieren lassen.

 

»Nein, ist es nicht. Ich hatte Mr. Ford gesagt, er soll dich in meine Wohnung bringen«, erklärte ich.

 

»O«, machte sie und sah betreten auf ihre Füße hinunter. »Das … tut mir leid. Ich … hatte ihn danach gefragt. Ich meine, ich habe ihn darum gebeten, dass er mich hierher bringen kann. Er wollte nicht anrufen. Ich schätze, er wollte nicht stören.«

 

»Mh«, machte ich ungeduldig. »Und er denkt, dass du jetzt hier bist, stört mich nicht?« Kaum hatte ich das gesagt, sank Laura noch tiefer in sich zusammen. Und … irgendwie missfiel mir das. Ich war immer ein Mensch der offenen Worte gewesen. Ich sprach immer aus, was ich dachte. Das Schönreden und Schmeicheln überließ ich anderen. Aber als ich sie nun so sah, bekam ich beinahe ein schlechtes Gewissen. Das musste an ihrem Aussehen liegen. Sie sah wirklich putzig aus, richtig süß. Und ihr Lächeln war noch sehr viel entzückender. »Ford hätte nicht auf deine Bitte eingehen sollen«, fügte ich hinzu, »er hatte seine Anweisungen und er hätte sich einfach nur daran halten müssen.«

 

Überraschenderweise fühlte sie sich dadurch offenbar kein bisschen besser. Nein, sie sah noch niedergeschlagener aus als zuvor. »Er wollte wohl nur höflich sein«, sagte sie leise.

 

Aha. Darum ging es ihr also? Sie nahm Ford in Schutz? Diesen Mann, den sie kaum kannte? Hatte ich da etwa eine moralisch gefestigte Wohltäterin vor mir? Auch das sollte sie schnell ablegen, wenn sie Erfolg im Beruf haben wollte.

 

Während ich darüber nachdachte, was ich sagen sollte, ließ ich meinen Blick über sie gleiten. Ihre Kleidung war ziemlich in Ordnung. Etwas zu farbenfroh und offensichtlich nicht die beste Qualität. Aber immerhin hatte sie sich offenbar Gedanken darüber gemacht, was sie tragen sollte.

 

Jedoch hätte eine Nummer kleiner ihr wahrscheinlich besser gestanden. Sie war nicht gerade schlank, aber soweit ich das erkennen konnte, musste sie sich wirklich nicht verstecken. Unter ihrer Bluse zeichneten sich ihre straffen, runden Brüste ab, die Hose saß etwas locker um ihre weichen, wohlgeformten Hüften.

 

Sie war keineswegs dazu bestimmt, ein Hochglanzmagazin zu zieren. Aber diese perfekten Frauen sahen bei genauerem Hinsehen einfach nur nichtssagend aus. Schön, aber uninteressant. Das war bei Laura nicht der Fall. Sie war nicht makellos, aber dafür war sie jemand, den man nicht so leicht übersehen konnte, obwohl sie eineinhalb Köpfe kleiner war als ich.

 

Ein paar Zentimeter mehr Absatz könnten da etwas bewirken. Mein Blick glitt wieder höher, über ihre Waden, die Knie, ihre Oberschenkel. Unter der etwas zu weiten Hose konnte ich die Form ihrer Beine nur erahnen. Und während ich so über ihre Beine, ihre Größe, ihr niedliches Gesicht nachdachte, drängte plötzlich das Blut in meine Körpermitte. Mein Glied begann zu pulsieren.

 

Augenblicklich ballte ich die Fäuste und verbot mir, auch nur noch einen Gedanken an ihr Aussehen zu verschwenden. Eigentlich war ich immer Herr über meine Triebe. Und gerade jetzt sollte ich es sein. Sie war schließlich meine Nichte.

 

Ich räusperte mich und wanderte dann um meinen Schreibtisch herum, nur um sie nicht mehr ansehen zu müssen.

 

»Ich werde Ford deswegen nicht rausschmeißen, wenn dich das beruhigt«, sagte ich und meine Stimme klang etwas erstickt. »Aber dir sollte klar sein, dass ich erwarte, dass Dinge genauso erledigt werden, wie ich das will.«

 

»Ok«, hauchte sie. Ihre leise, melodische, etwas kratzige Stimme ließ einen neuen Schauer durch meinen Körper laufen.

 

Fuck. Ich musste sie loswerden. Das lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

 

Endlich setzte ich mich, faltete die Hände auf der Tischplatte und atmete tief durch.

 

»Mrs. Enad zeigt dir alles«, sagte ich abschließend und vermied es aufzusehen.

 

Laura zögerte kurz. Wahrscheinlich hielt sie mich für schrecklich kalt und abweisend. Aber ich konnte ihr ja schwer erklären, was das eigentliche Problem war.

 

»Ok«, sagte sie wieder. Und dann drehte sie sich um.

 

Ich starrte stur auf meine Hände hinab. Erst als sie bei der Tür angekommen war, riskierte ich einen kurzen Blick. Von hinten sah ich strammer Po noch sehr viel besser aus. In meiner Hose wurde es eng.

 

Als sie dann endlich verschwunden war, atmete ich stoßend aus.

 

Diese drei Monate konnten ja interessant werden …

 

ఈఖథ